"Karkar" Boubacar Traoré

en direct/live a/at Frankfurt/M. Brotfabrik 26.11.04

Pedro Kouyaté 

 



Die Liebe zu Pierrette
Boubacar Traoré, Meister des Mali-Blues, zu Gast in Frankfurt
VON VOLKER BALLWEG

In Mali ist die Kalebasse oder der Flaschenkürbis ein wichtiges Nahrungsmittel. Aus der harten Schale lassen sich zudem Gefäße und Musikinstrumente herstellen. So kann man die Schale einer halben Kalebasse mit der Bauchseite nach unten auf einen kleinen Tisch stellen, einen Verstärker anschließen und ihr mit den Handballen Basstöne und mit den Fingern hölzerne Klopfgeräusche entlocken. Damit kann man dann auch eine Gitarre rhythmisch begleiten. Zum Beispiel die Gitarre von Boubacar Traoré, dem alten Meister des Mali-Blues, der jetzt in der Frankfurter Brotfabrik zu Gast war.

Nur mit Daumen und Zeigefinger pickt Traoré die Saiten seiner Gitarre, lässt dabei zumeist langsame, geradezu meditative Melodien entstehen, unterlegt von den schnellen Beats der von Pedro Kouyaté gespielten Kalebasse. Immer mal wieder holt Boubacar Traoré aber auch schnelle, kristallklare Töne aus der Gitarre heraus, die dann fast so klingt wie eine Kora, die afrikanische Harfe, auf der Traoré vor mehr als fünfzig Jahren das Musizieren lernte. Virtuos verbindet er den Kassonké, die traditionelle Musik Malis, mit dem Blues, verknüpft elegant afrikanische Skalen mit harmonischen Blues-Akkorden.

Dazu singt er mit kehliger, rauchiger Stimme melancholische, manchmal geradezu wehklagende Lieder über sein Leben und sein Land, über die Liebe zu seiner verstorbenen Frau Pierrette, über die Perspektivlosigkeit der jungen Generation in Afrika. Und wiegt dabei mit geschlossenen Augen ganz langsam seinen Körper hin und her, geht ganz in seiner Musik auf. Nach fast zwei Stunden hat Boubacar Traoré das Publikum in der ausverkauften Brotfabrik mit dem Swing seines Blues infiziert, hat es fast in eine Trance gespielt. Ovationen für einen der großen Künstler Afrikas.

FR vom 29.11.04