Ein Erfahrungsbericht im Fach Evangelische Religion in einer 7. Gymnasialklasse
1. Vorbemerkungen
"Mit Hinduismus bezeichnet man im Abendland die dritte und letzte geschichtliche Entwicklungsphase in der indischen Religionsgeschichte,... deren Beginn um 400 v.Chr. anzusetzen ist. ... Die Anhänger des H. werden erstmals von den nach Indien eindringenden Moslems als 'Hindus' bezeichnet. Das mittelalterliche persische Wort 'Hindu' – abgeleitet vom arabischen 'hendava' (Ableitung aus dem Sanskrit: 'sindhu') – ist eine Kennzeichnung für die Landschaft und deren Bewohner am Indus." Der Hinduismus - als demnach religionswissenschaftlich ungenauer Sammelbegriff für alle nachbuddhistischen Religionen des indischen Subkontinents - umfasst somit die vielfältigen Glaubens- und Lebensformen der heutigen Inder, die durch besondere Sozial- und Kastenordnungen in gleichsam heiliger Verbindung untereinander stehen.
Die geschätzte Zahl aller Hindus (mehr als 719 Millionen Menschen) macht momentan ca. 13,4% der Weltbevölkerung aus, Tendenz steigend. Somit ist der Hinduismus, als Ganzes betrachtet, die drittgrößte Weltreligion nach Islam und Christentum.
Nicht zuletzt der Blick auf die Bevölkerungsstatistik des inoffiziellen Einwanderungslandes Bundesrepublik Deutschland am Ende des Jahrtausends macht deutlich, wie überaus notwendig in der Schule eine fundierte Auseinandersetzung mit jenem Glaubens- und Gedankengut der unter uns lebenden MitbürgerInnen aus dem indo-asiatischen Raum sein sollte.
Geprägt durch Gedanken an einen Dialog auf kulturellen wie auch interreligiösen Ebenen, waren diese Fakten für mich Anlass genug, die schulische Behandlung des Hinduismus im Zusammenhang mit einer von den Hessischen Rahmenrichtlinien festgelegten, verbindlichen Einführung in die großen (monotheistischen) Weltreligionen bereits in der Sekundarstufe I des Gymnasiums zu erwägen. Ein wo immer möglicher Bezug zu bzw. ein Vergleich mit der reichhaltigen Glaubenstradition des abendländischen Christentums war in diesem Zusammenhang erwünscht wie religionspädagogisch unumgänglich.
2. Gliederung der Unterrichtseinheit
Die Unterrichtsstunden umfassten folgende Themenbereiche:
3. Die Unterrichtsstunden im Einzelnen
Hinduismus - was wissen wir bereits?
Zur Sichtung und Klärung von bereits vorhandenem Vorwissen bei den SchülerInnen erfolgte zu Beginn der Unterrichtseinheit eine Art ‘Brainstorming’. Der Lehrer fragte nach, ob den Kindern das Wort "Hinduismus" schon einmal begegnet war. Schnell ergab sich dabei ein lockeres Schüler-Lehrer-Gespräch, das bereits viele neue Begriffe und Einzelheiten aufwarf, die m.o.w. etwas mit dem Hinduismus zu tun haben: Die heilige Kuh und der heilige Elefant wurden sofort genannt, es tauchten sogar schon Götternamen auf (z.B. Shiva); "Wiedergeburt" und der heilige Fluss Ganges wurden mit Indien assoziiert, so auch "Yoga" ("Das machen Yogis oder Fakire oder wie das heißt, die sitzen dann auf Nägeln und beschwören Schlangen").
Ein Mädchen, deren Vater vor kurzer Zeit von einer längeren Geschäftsreise aus Indien mit vielen, ihrer Ansicht nach "exotischen Eindrücken" heimgekehrt war, erläuterte dabei besonders engagiert die Behandlung der Kühe in den Großstädten Indiens.
Der Lehrer beschränkte sich in dieser Phase des Unterrichts auf die Richtigstellung allzu grober Missverständnisse und Fehler (siehe z.B. die "Fakire") und fragte nach bereits vorhandenem Wissen der SchülerInnen bezüglich der Geographie und der Geschichte Indiens. Das Bild des Subkontinents war dabei - erfreulicherweise - geprägt von einer Art "Tagesschau-Wissen" über Hunger- oder Seuchenkatastrophen der vergangenen Jahre und Monate. Es gab jedoch auch Kinder, die hierzu überhaupt nichts beisteuern konnten.
In diesem Zusammenhang konnte nun eine im Kreis präsentierte Broschüre des Indischen Fremdenverkehrsamtes weiterhelfen, die mit Hilfe zahlreicher Photographien über die unterschiedlichsten Facetten des Landes in Architektur (z.B. Taj Mahal oder Victoria Memorial), Landwirtschaft (z.B. Teeplantagen in Darjeeling), Kleidung (z.B. bei einer indischen Hochzeit oder beim Kathakali Dance) oder auch der Natur (z.B. Leopard und Weißer Tiger) informierte.
Der heilige Fluss
Im Mittelpunkt der eigentlichen Unterrichtseinheit stand allerdings
eine Erzählung für Jugendliche mit dem Titel Die Göttin,
die sich in einen Fluss verwandelt. Sie nimmt Bezug auf die in Indien
wohlbekannte Legende über die Entstehung des Ganges und führt
mittels "Geschichten in einer Geschichte" in vielfältiger, phantasiebetonter
Weise ein in die Welt des Hinduismus. Vervollständigt wird das Buch
am Ende mit sechs Seiten altersgemäßer Sachinformationen zu den Glaubensprinzipien,
Göttern, Festen und Gebräuchen in Indien.
Ich verwendete die Erzählung als eine Art Fortsetzungsgeschichte,
die als Einstieg oder Vertiefung zu den jeweiligen Stundenthemen diente.
Dabei las ich selbst die einzelnen, etwa jeweils 10 Minuten dauernden Kapitel
vor.
Das erste Kapitel des Buches handelt von einer jungen Frau, die mit ihrer Tochter zur Quelle des Ganges im Himalaja wandert, um dort zu beten und im eiskalten Fluss zu baden. Dabei fragt die Tochter nach dem Sinn dieser Handlungen. Der Ursprung des Glaubens, dass ein Bad im Ganges von allem Bösen und Schlechten rein wäscht, wird anschließend (d.h. für den Unterricht in der nächsten Stunde) in einer von der Mutter erzählten Geschichte erläutert.
Im Stundenverlauf gab es nun mehrere Möglichkeiten, Schwerpunkte für ein Gespräch zu setzen: Zum einen die Thematisierung des Aktes der Reinwaschung mit Wasser, ein Ritual, das ja im Zusammenhang mit dem Christentum u.a. als Taufe und im Islam bei der Waschung vor dem Gebet in der Moschee bereits in vergangenen Stunden behandelt wurde und an das sich die SchülerInnen erwartungsgemäß erinnerten.
Dass das Bad im Fluss ein tiefreligiöser Akt sei, erkannten die Kinder durch den Verweis auf die symbolische Bedeutung der christlichen Taufe als Annahme der Getauften in die Glaubensgemeinschaft mit Hilfe der (tatsächlich!) reinigenden Kraft des Wassers selbst. Auch die Frage nach bereits bekannten, anderen heiligen Flüssen der Erde (z.B. Nil, Jordan - Johannes der Täufer!) wurde ebenfalls mit bereits untergegangenen oder noch existierenden Religionen in Verbindung gebracht.
Zum anderen ließ sich die Bedeutung von Bergen oder ganzen Gebirgen für eine jeweilige Religion erarbeiten. Der Hinweis, dass (nicht nur) gläubige Hindus das Himalaja-Gebirge als Wohnsitz ihrer Götter ansehen, machte einen Vergleich mit dem Mosesberg im Sinai als Ort der Gottesoffenbarung und der Gottesnähe einleuchtend. Das Thema wurde gleichsam mit optischen Mitteln abgeschlossen, indem vom Lehrer Postkarten und Dias von Bergmassiven des Himalajas (z.B. des Khangchendzonga in Sikkim) präsentiert und zum Kommentieren aufgefordert wurde.
Als vertiefende Hausaufgabe bot sich ein Arbeitsblatt über den Ursprung des Wortes "Hinduismus" an, das außerdem die verschiedenen Volksstämme am Indus und Ganges thematisierte. Dabei sollten die SchülerInnen mit dem Schulatlas die verschiedenen Flüsse der Gangesebene beschriften.
Ein hinduistischer Gott
Die ‘Erzählung in der Erzählung’
berichtet nun von einem himmlischen Königreich im Himalaja, dessen
König von Gott Brahma besucht wurde, um des Königs Tochter Ganga
mit auf die Erde zu nehmen, damit diese einen irdischen Königssohn
vor der Thronbesteigung von jeglicher Schuld reinwasche - eine ihr alleine
eingegebene wundersame Fähigkeit.
Die SchülerInnen lernten hierbei exemplarisch die durchaus verschiedenen
Aspekte eines hinduistischen Gottes kennen: Er kann direkt mit Menschen
kommunizieren, besitzt menschliche Gefühle und ebenso sehr menschliches
Aussehen (sieht man einmal von der Vielköpfig- und Vielarmigkeit ab).
Außerdem lässt er sich (gerne) auch von jungen Frauen durch deren
Fähigkeiten und Schönheit verwirren. Zudem weist die Darstellung
und Beschreibung der hinduistischen Götter immer wiederkehrende Attribute
auf, etwa die identifikatorischen Symbole in den Händen oder um den
Hals der Gottheit und dessen "Fortbewegungsgehilfen" (in der Geschichte
der Schwan).
Nach der Besprechung einiger ausgewählter Symbole und der religionsgeschichtlichen Einord- nung Brahmas durch den Lehrer wurden die neuen Erkenntnisse in ein Arbeitsblatt (siehe Schema unten) über die drei bekanntesten Götter im Hinduismus eingetragen:
RELIGION KLASSE 7: THEMA: Der sog.
Hinduismus - Die drei bekanntesten Götter Indiens
| Göttername | BRAHMA | VISHNU | SHIVA
|
| Kennzeichen
in Hand/am Hals
(Auswahl) |
4 Köpfe
und Arme, Antilopenfell,
hl. Schnur, Palmblätter des Veda |
Brustjuwel,
oft 4 Arme,
Rad, Muschel, Keule, Lotos |
oft dreiäugig,
Leopardenfell,
Dreizack, Schlange (Nordind.), |
| Stirnmal und
Haartracht
|
ohne Stirnmal,
Flechtenkrone,
Antilopenfell |
Dianmantenkrone, Stirnmal in Form eines "U" mit "I" innerhalb | Flechtenkrone
mit Ganga, Flammenhaar, oft verfilzt,
Stirnmal als "III" oder drittes Auge |
| Körperfarbe(n)
|
rot/schwarz | blau/schwarz | rot/schwarz/weiß |
| Reittier
|
Schwan oder Wildgans:"Hamsa" | Fabelvogel:Sonnenadler "Garuda" | Stier:"Nandi" |
| Aufgabenschwerpunkt
|
Schöpfer d. Universums (Vater aller Lebewesen) | Erhalter d. Universums (Licht und Güte) | Zerstörer d. Universums |
| Lieblingsfrau
|
Sarasvati (Göttin d. Wissens) | Lakshmi | Parvati
(Sohn: Elefantengott "Ganesha") |
| Andere Verkörperungen
|
Löwenmensch, Schildkröte | u.a. Krishna
(mit Flöte),
Rama (mit Pfeil u. Bogen) |
viele "alte" Götter verschmelzen zu einer Gottheit |
| Weitere Besonderheiten
|
heute wenig verbreitete Verehrung (im Vergl. mit ind. MA) | steigt oft
zur Erde herab, hat
unzählige Namen |
Patron der Yogis, Tänzer, Wanderasketen |
| Anhänger
|
Herkunft d. Klasse d. Brahmanen | Vishnuiten oder Vaishnavas | Shivaiten oder Shaivas |
Götter brauchen Symbole
In dieser Untereinheit stand das Thema "Religiöse Symbole" im Vordergrund der Erörterungen. Während die Ganga-Geschichte zunächst ruhte, lag der Schwerpunkt auf der Betrachtung von und Diskussion über Darstellungen der beiden anderen Hauptgötter des Hinduismus, Vishnu und Shiva. Die Kinder entwickelten dabei ein sicheres Gespür für das "Lesen" und Interpretieren von Götterstatuen, die vom Lehrer über die Overhead-Projektor-Technik auf Folien und anschließend die wichtigsten Darstellungen auf Kopien für alle (zur schriftlichen Ergebnissicherung in der o.g. Tabelle) präsentiert wurden.
In einem gelenkten Schüler-Lehrer-Gespräch ergaben sich auch die nicht unmittelbar sichtbaren, jedoch für jeden Gläubigen grundlegenden Kennzeichen der jeweiligen Götter, wie z.B. deren Aufgaben im Kosmos, ihre anderen Namen und Verkörperungen, ihre Hauptaufgaben, sowie ihre Hauptfrauen, die typischen Stirnmale und ihre Haartrachten.
Wichtig erschien es mir darauf hinzuweisen, dass gerade Vishnu und Shiva und ihre zahlreichen Inkarnationen in Indien die meisten Anhänger besitzen und man aus diesem Grunde statt von gläubigen "Hindus" besser von "Vishnu- und Shiva-Gläubigen" (Vishnuiten und Shivaiten) reden sollte.
Rückblickend kann man behaupten, dass für die im - wenn auch heute oft sehr undeutlich definierbaren - christlichen Kulturraum aufwachsenden Kinder der Klasse in dieser Phase eine äußerst schwierige Erkenntnisleistung abverlangt wurde: Da waren nun tatsächlich problem- und sanktionslos göttliche Wesen dargestellt; man erfuhr zudem, dass diese Götter in all ihren Abbildungen von ganzen Völkern angebetet werden. Eine Begegnung mit dem sichtlichen Anders-Sein unbekannter Kulturkreise muss bisweilen Fragen offen lassen; dies galt nicht zuletzt bei den Kindern des Religionskurses. Deren Erfahrungen ließen - beispielhaft in der Frage des Bilderverbots – gewisse, im Hinduismus problemlos von jedem zu leistenden Gefühls- und Gedankenleistungen einfach nicht zu.
Deswegen sollte dieser Punkt in dieser Schulstufe auch nicht weiter vertieft werden, sondern der Lehrer kam erneut auf den Vergleich mit den bereits bekannten Weltreligionen und deren Symbolik zurück. Es wurde gesprochen über die Bedeutung des jüdischen Davidsterns und die eigentlichen Hintergründe des Verbots von Götterdarstellungen in der Bibel (Erwähnung fand wiederholt die Geschichte vom goldenen Kalb aus 2. Mose 32,1 ff.). Kontrovers und letzten Endes offen im Ergebnis diskutiert wurde auch die Frage, ob die bildlichen Darstellungen von Jesus und Maria eine Übertretung des ersten Gebots seien oder nicht. Vom Lehrer kam zudem der Hinweis auf die - nicht nur im Kirchengebäude im wahrsten Sinne des Wortes überragende - symbolische Bedeutung des christlichen Kreuzes.
Ein Hindutempel als Opferstätte
Die beiden folgenden Kapitel der
Ganga-Erzählung behandeln ausführlich die Geschichte des wohlhabenden
Königs Sagar, der nur durch die Mithilfe des schöpferischen Gottes
Shiva Nachkommen zu produzieren in der Lage ist. Aus Dankbarkeit soll ein
Pferd geopfert werden, jedoch wird das Tier vorher entführt und alle
Söhne, bis auf einen, bei der Suche nach dem Pferd - einer Weissagung
gemäß - von einem wütenden Einsiedler getötet.
Erst ein Enkel des letzten Königssohnes
findet das Pferd, bringt es zurück zu seinem Onkel und begründet
anschließend eine eigene Form von Asketentum; dessen Urenkel wiederum
erteilt Gott Shiva - im Auftrag von Gott Brahma - den Befehl, Ganga auf
die Erde herabsteigen zu lassen, um die Seelen seiner von jenem Einsiedler
bestraften Ahnen reinzuwaschen. Der Bogen zur ersten Erzählung in
der Geschichte ist wieder geschlossen.
Nicht die Handlung der Geschichte selbst wurde Gegenstand dieser Untereinheit, sondern der Komplex "Tempel und Opfer" lag im Mittelpunkt der Nachbesprechung. Dabei kam dem Verlauf des Unterrichts der Umstand zugute, dass die SchülerInnen bereits aus vorangegangenen Stunden über den Aufbau eines römisch-katholischen wie eines christlich-orthodoxen Gottesdienstes (d.h. im Besonderen die Eucharistiefeier) und über den groben Grundriss eines jeweils typischen Gotteshauses informiert worden waren.
Nach kurzer Wiederholung dieser Stoffgebiete konnte mit einer Tafelskizze der Aufbau eines Hindutempels (s.u.) eingeführt werden. Dafür wurde sowohl auf Photographien der Broschüre des Indischen Fremdenverkehrsamtes als auch auf (private) Dias von Hindutempeln (u.a. in Nepal) zurückgegriffen. In knapper Form fand zudem die (komplizierte) Liturgie im Tempelgottesdienst Erwähnung (Reinigung und Geheimritual der Brahmanen, Bewirtung der Gottheit und Verteilung des heiligen Mahls). Erstaunt wurden die Parallelen mit der christlichen Eucharistiefeier erkannt und verglichen ("Da geht´s ja richtig um´s Sattwerden!", "Indische Tempel sind geheimnisvoller als unsere Kirchen!").
Plan der Tafelskizze: Grundriss eines Hindutempels (Brahmanische
Tradition)
Wie ein Wassertropfen im Meer
Das vorletzte Kapitel der Erzählung
handelt von der Bändigung Gangas durch Shiva, der ihr vom Himmel sintflutartig
herabstürzendes Wasser in sein verschlungenes Haar gefangen nimmt,
um eine sonst sichere Überschwemmung der Erde zu verhindern. Die Wütende
wird allmählich ruhiger und strömt bald - aus den Haaren Shivas
heraustretend - zur Erlösung der Königssöhne und zum Wohl
aller Menschen aus dem Inneren der Erde.
Nachdem schliesslich die Tochter
der jungen Frau diese zweite Geschichte zu Ende gehört hatte, verstand
denn auch sie den letzten Sinn des Bades im heiligen Fluss Ganges - als
Möglichkeit zur Erlösung aus dem Kreislauf der leidvollen Wiedergeburt.
Der Abschluss der Geschichte macht die vertiefte Behandlung eines wesentlichen Bestandteils der hinduistischen Religionen nötig: Der Glaube an die Wiedergeburt, ein Begriff, der den SchülerInnen ja bereits bekannt, jedoch, wie bei dem meisten Gedankengut des indischen Kulturraumes in unseren Breiten, nur sehr oberflächlich mit Inhalt gefüllt war. Man "wusste" zwar, dass es für Hindus "nach dem Tod weitergeht"; die Umstände und Voraussetzungen dafür waren jedoch unbekannt, ebenso die Möglichkeit einer endgültigen Erlösung - Grund genug, Begriffe wie Karma, Samsara und Nirvana zu erörtern.
Der bedeutendste, d.h. für die Kinder spannendste Aspekt schien hierbei die in den Grenzen einer regelrechten Naturkonstante liegenden Möglichkeit der Bestimmung des eigenen Schicksals durch den Menschen selbst zu sein. Das "In-die-Hand-Nehmen-Können" des Lebensgeschicks als solches wirkte für manche zumindest gedanklich sehr verlockend. Jedoch erschienen die demutsvollen Anstrengungen eines Gläubigen im Dienst "seiner" Gottheit, die Art und Weise, wie das Ziel der Erlösung erreicht werden kann, für die meisten wieder ausgesprochen 'exotisch', da aus dem eigenen Erfahrungsschatz heraus nicht nachvollziehbar. Ein gelenktes Schüler-Lehrer-Gespräch klärte schließlich zumindest einige Elemente hinduistischer Frömmigkeitspraxis: Yoga und Meditation, die Askese und das Studium der heiligen Schriften. Kurz Erwähnung fand auch das Thema "Kasten", das offensichtlich durch den Geographieunterricht in der 6. Klasse bereits bekannt war und mit der Frage eines Schülers eingeleitet wurde, wie man denn nun eigentlich "ein Hindu werden" könne, worauf er ein großes Echo aus der Gruppe erntete, dass dies doch gar nicht ginge.
Den Abschluss dieser Unterrichtsstunde bildete eine Diskussion über die Konsequenzen, die der körperliche Tod für einen Hindu haben würde: "Überlegt jetzt einmal, ob denn Hindus ihre Toten auch auf einem Friedhof beerdigen und die Gräber pflegen würden!" Die Meinungen waren geteilt, es gab keine eindeutigen Mehrheiten. Erst die erneute Präsentation eines Diapositivs, das die Praxis des Einäscherns in den Ghats von Pashupatinath am Fluss Bagmati im Tal von Kathmandu/Nepal zeigte, brachte eine abschließende Klärung der Problemfrage und eine gewollte Rückkehr zum Ausgangspunkt unserer Reise zum Hinduismus, der heiligen Bedeutung eines strömenden Gewässers.
Wir planen eine Ausstellung
Als eine sehr effiziente Form sowohl der Ergebnissicherung als auch der Überprüfung des gelernten Stoffes bot sich die Konzeption einer Ausstellung zum Thema der Unterrichtseinheit unter der allgemeinen Überschrift "Hinduismus - was ist das?" an, die dann an den dafür vorgesehenen Schautafeln der Schule für alle SchülerInnen zugänglich gemacht werden sollte.
Die Kinder sollten in Gruppen von 3 bis 4 TeilnehmerInnen jeweils eines der Themen der Unterrichtseinheit auf einer (bunten) DIN-A1-Plakatfläche darstellen. Als "Rohmaterial" sollte sowohl das benutzte Unterrichtsmaterial als auch passende Fotografien, Zeichnungen und Texte aus Zeitschriften oder eigener Herstellung verwendet werden.
Auch der Vorschlag des Lehrers, eigenständig an das Indische Fremdenverkehrsamt
in Frankfurt/M. mit der Bitte um Zusendung von bebildertem Informationsmaterial
zu schreiben, wurde von einer Gruppe erfolgreich übernommen. Nicht
zuletzt dienten auch die Sachinformationen der Ganga-Erzählung als
Formulierungshilfen für die Ausstellungselemente, die für zwei
Monate mit großem Interesse in der Schule zu bewundern war.
4. Weitere Medientipps
Folgende Bücher beinhalten noch eine ausgezeichnete Einführung in die Welt des Hinduismus:
ð Glasenapp, Helmuth von, Der Hinduismus, München 1921
ð Heiler, Friedrich, Die Religionen der Menschheit, Stuttgart 1982
ð Klostermeier, Klaus K., A survey of Hinduism, New York 1933
ð Weber, Edmund (Hrsg.), Krishna im Westen, Frankfurt am Main 1985.
Eine Auswahl einiger Internetadressen, die sich zur Beschaffung geeigneter Informationen als hilfreich erweisen:
http://home.t-online.de/home/franz.stingl/religion.htm
http://www.mg.klever.net/religi.html
http://www.india4u.com/religion/hinduism.htm#Hindu Dharma
http://www.mlbd.com/
Die hessischen Landesbildstellen bieten leider nur zwei (!) Videofilme zum Thema Hinduismus (Sek. I und II; Stichworte: Lehre, Kastenwesen und religiöser Alltag) an:
ð 42 01813: Kasten im Hinduismus - Brahmanen und Kshatryas; 26 Min.
ð 42 02067: Kasten im Hinduismus – Veishas und Shudras; 26 Min.
Eine kritische Analyse aktueller Religionsbücher hinsichtlich der Präsentation des Hinduismus findet sich in "Verkündigung und Forschung" Heft (44) 2/99, S. 32-33.
copyright: Dr. P.Schmidt, 12/07